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Stellungnahme zum Bericht in der HNA "Wirrwarr um Klinik" und den dazugehörigen Kommentar

Uwe Kälber 14.11.2019

 

 

Herr Thonicke scheint viel mehr und detailliertere Informationen zu haben, als wir Betroffenen, sagen die 3 Vorsitzenden Klaudia Kälber, Wolfgang Hanske und Dieter Schrader, oder er betätigt sich als Hofberichterstatter von OB Geselle? Wir wissen noch mit keiner einzige Silbe, was, wie und wann in einem Gesundheitszentrum angeboten werden soll. Alle bisherigen Informationen konnten wir nur der Zeitung entnehmen. Nach einem klaren Konzept sah das bisher nun grad gar nicht aus. Wenn Herr Thonicke diese Informationen hat, dann möge er sie uns bitte geben. Andernfalls möge er sich seiner Verantwortung als Journalist klar werden und auf populistische Kommentare verzichten.
 
Aus der arroganten Sicht eines Journalisten mit Sitz in der Stadt Kassel, die nachweislich und von Experten bestätigt mehrere hundert Krankenhausbetten zu viel hat, ergänzt Vorstandsmitglied Heiko Weiershäuser, kann man natürlich herrlich philosophieren, dass kleine Kliniken wie unsere Kreisklinik nicht allein überleben können. Aber genau das war ja der Grund für die Entwicklung der GNH, dass das Flagschiff Klinikum Kassel die 3 kleinen Kliniken des Landkreises auffangen kann. Und so wurde das auch in den Verträgen geregelt.
Wo bitte bleibt in dem unsäglichen Kommentar von Herr Thonicke denn mal die Frage nach der Vertragstreue? Wozu macht man Verträge, wenn sich ein Beteiligter (Stadt Kassel) nicht daran zu halten gedenkt? Und jetzt, nach 15 Jahren mit einer dubiosen Rechtsauffassung gegen diese Verträge vorgehen will? Das müsste mal in einem Leitkommentar gefragt werden. Immerhin hat das ja bei der Klinikschließung in Helmarshausen anstandslos geklappt. Warum also nicht jetzt?
Stattdessen wird ein Vergleich mit einem Boxkampf gezogen. Herr Thonicke, es geht hier um Menschen und Menschenleben. Es geht um soziale Verantwortung eines Oberzentrums für die Menschen seiner Region. Es ist auch kein „WirrWarr“, Herr Thonicke, sondern eine politische und gesamt-gesellschaftliche Willensbildung, die im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten, vom Aktienrecht des Aufsichtsrat bis hin zur Rechtsprechung des Landgerichts alle Facetten unserer Demokratie beinhaltet. Sie schaffen mit ihrer tendenziösen, einseitigen und populistischen Berichterstattung, die Menschen in Stadt und Landkreis gegeneinander auszuspielen.
 
Die Menschen haben Angst, weil Dr. Knapp sie nicht transparent und detailliert mitnimmt. Das kann man ihnen nicht verdenken. Mehr als 9000 Menschen haben schon bei unserer Unterschriftensammlung  gefordert: „Umdenken jetzt – Alternativen prüfen“. Genau das ist es, was wir wollen. Und es gibt sie, sogar gutachterlich festgestellte Alternativen. Nur wollte die der Aufsichtsratsvorsitzende erst in einem Tagesordnungspunkt beraten, hat sie dann aber zugunsten der Schließung vom Tisch gefegt. Ziemlich selbstherrlich, oder?
Und wenn man dann ein rein profit-orientierter Physiker wie Dr. Knapp ist, dann lässt man eben auch mal den obersten Souverän des Landkreises Kassel, den gewählten Kreistag, einfach im Regen stehen. So etwas passt ins Bild einer marktgerechten Demokratie, den sich diese Menschen wohl auf die Fahnen geschrieben haben. Das wäre mal eine Frage in ihrem Kommentar  wert gewesen, Herr Thonicke.
 
Wir erneuern unser Angebot: Wir sind für jedwede Lösung offen, solange sie den Menschen in unserer Region nicht schadet. Ob das nun eine Spezialisierung ist oder eine gemeinsamer Neubau der Kliniken Wolfhagen und Bad Arolsen, wir arbeiten gern bei ernstzunehmenden Prüfungen mit. Aber eine Schließung der stationären Versorgung schadet den Menschen einfach, weil keine Grundversorgung mehr stattfinden wird. Wohin sollen die vielen kleinen Unfälle in Kindergärten und  Schulen, wohin die Arbeitsunfälle, wohin die vielen Patienten aus den Alten- und Pflegeheimen? Wohin die besonderen Patienten der Vitos Klinik Bad Emstal? Das ist es doch, was eine Grundversorgung ausmacht. Und diese wollen die Menschen zurecht nicht weggenommen bekommen.
 
All das sind die Fragen, die ein ernstzunehmender Leitkommentator auch stellen sollte, Herr Thonicke.  Wir haben bislang dazu noch kein einziges Wort der Erklärung gehört, weder von ihnen noch Herrn Geselle noch Herrn Dr. Knapp.
Und das, Herr Thonicke, ist wirklich grotesk